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Vitales Hundeleben

Ballaststoffe regulieren die Darmtätigkeit

Hunde können pflanzliche Rohfasern nicht verwerten. Diese Ballaststoffe regen aber die Darmmuskulatur an und bestimmen die Konsistenz des Kots.

Schwer verdauliche Bestandteile des Hundefutters werden Ballaststoffe oder Rohfasern genannt. Sie bestehen aus Pflanzenfasern, vor allem der wasserunlöslichen Zellulose oder den wasserlöslichen Pektinen. Ballaststoffe tragen wenig zum Energiebedarf bei und liefern keine wertvollen Nährstoffe, sind aber dennoch wichtiger Bestandteil einer vollwertigen Hundenahrung.

Ballaststoffe oder Rohfasern?

Die Futtermittelanalytik weist Rohfasern nach, die Ernährungskunde spricht von Ballaststoffen. Beide Begriffe zielen in die gleiche Richtung, sind aber nicht deckungsgleich1.

Die Analytik von Rohfasern beruht vor allem auf dem Nachweis von Zellulose, Teilen von Lignin und einem kleinen Anteil Hemizellulose. Viele anderen unverdauliche Bestandteile werden nicht erfasst2. Ballaststoffe hingegen sind alle pflanzlichen Nahrungsbestandteile, die vom Verdauungssystem der Säugetiere (inklusive Hund und Mensch) nicht verwertet werden können.

Die Inhaltsangaben menschlicher Nahrungsmittel weisen meist Ballaststoffe aus, bei der Tiernahrung werden in der Regel jedoch nur die Rohfasern analysiert. Im Hundefutter kann es daher zu großen Abweichungen zwischen der angegebenen Menge an Rohfaser und dem tatsächlichen Gehalt an Ballaststoffen kommen.

Forscher der Universität Kalifornien haben bei der Untersuchung vierzig unterschiedlicher US-amerikanischer Hundefutterprodukte festgestellt, dass die angegebene Menge von Rohfasern durchschnittlich etwa nur einem Viertel der tatsächlich gefundenen Ballaststoffe entsprach2. Einzelne Futterprodukte konnten erheblich von diesem Durchschnittswert abweichen: In einem Fall stellten Rohfasern etwa die Hälfte aller Ballaststoffe, in einem anderen deutlich weniger als ein Zehntel. Meist waren die Abweichungen bei Dosenfutter etwas höher als bei Trockenfutter.

Arten von Ballaststoffen

Ballaststoffe bestehen aus langen Ketten, die aus wiederkehrenden Bausteinen aufgebaut sind. Fast immer handelt es sich um pflanzliche Fasern wie Zellulose oder Pektine, die Blättern, Stängeln und Schalen ihre Stabilität und Festigkeit verleihen. Per Definition sind die Grundbausteine immer Kohlenhydrate3.

Hundebesitzer dürfen allerdings auch das Keratin nicht außer Acht lassen, das etwa durch Kauen von Rinderhufen aufgenommen wird. Keratine sind tierischen Ursprungs und werden aus Aminosäuren gebildet, aber für Säugetiere ebenfalls vollkommen unverdaulich. Sie verhalten sich im Verdauungstrakt ähnlich wie manche Ballaststoffe und können die Gefahr einer Überdosierung erhöhen.

Der Einfachheit halber werden Ballaststoffe danach unterschieden, ob sie sich im Wasser lösen oder nicht. Zu den wasserunlöslichen Vertretern gehören Zellulose, Hemizellulose und Lignin, wasserlöslich sind hingegen Pektine, Inulin und sogenannte Oligosaccharide.

Von Bedeutung ist allerdings auch, ob die Ballaststoffe von den Bakterien der Darmflora umgesetzt werden können. Dieser bakterielle Stoffwechselprozess wird Fermentation oder Gärung genannt. Die meisten wasserlöslichen Ballaststoffe wie etwa die Pektine sind fermentierbar, wasserunlösliche Varianten wie etwa Lignin und Zellulose eher nicht (Keratin ist ebenfalls nicht fermentierbar). Eine Ausnahme bildet die wasserunlösliche Hemizellulose, die ebenfalls fermentierbar ist.

Rolle bei der Verdauung

Ballaststoffe bauen allein durch ihr Volumen im Darm einen Fülldruck auf, der die Darmmuskulatur zu Kontraktionen anregt (Peristaltik) – der Nahrungsbrei wird auf diese Weise weiter Richtung Enddarm bewegt. Eine normale Darmtätigkeit erfordert daher auch eine ausreichende Menge an Ballaststoffen. Zusätzlich fördern Ballaststoffe das Sättigungsgefühl.

Enthält der Nahrungsbrei zu hohe Mengen an nicht fermentierbaren Fasern wie Lignin und Keratin, behindert dies die Aufnahme anderer Nahrungsstoffe. Fermentierbare Fasern wie Pektine aktivieren die Darmflora: Die Bakterien zersetzen die Ballaststoffe und erzeugen kurzkettige Fettsäuren, die von der Darmschleimhaut aufgenommen werden und als zusätzliche Energiequelle dienen2.

Letztlich beeinflussen Ballaststoffe auch die Konsistenz des Kots. Pektine binden große Mengen an Wasser, sodass die Ausscheidungen weicher und flüssiger werden.

Tagesbedarf

Als Faustregel sollten etwa 1,5 % der Futtertrockenmasse aus Rohfasern bestehen, bei älteren Hunden etwa 1,8 %. Etwas niedriger ist der Anteil bei wachsenden, sehr aktiven Hunden oder bei stillenden Hündinnen – etwa 1 bis 1,5 Prozent sind ausreichend4.

Steigt der Anteil von Ballaststoffen (eventuell zusammen mit Keratin) über 3 %, wird die Aufnahme anderer Nahrungsbestandteile beeinträchtigt und die Menge des Kots kann deutlich ansteigen.

Über- und Unterdosierung

Ein Mangel an Ballaststoffe reduziert die Tätigkeit der Darmmuskulatur, verlängert die Aufenthaltsdauer des Nahrungsbreis in den Verdauungsorganen und kann zu unregelmäßigen Stuhlgang führen.

Enthält das Futter einen Überschuss an Pektinen, kann der Kot viel Flüssigkeit enthalten und sehr weich werden. Dies kann einer Verstopfung der Analdrüsen verursachen, da der Druck auf die Sekretbeutel abnimmt und sie nicht mehr bei jeder Kotabgabe entleert werden. Bei langer Dauer dieser Verstopfung steigt die Gefahr einer Analdrüsenentzündung.

Leider gibt die Angabe von Rohfasern auf der Futtermittelverpackung nur bedingt Auskunft darüber, welche Arten und Mengen von Ballaststoffen im Futter vorhanden sind2. Bei Problemen sollte daher verschiedene Futterarten oder Futterhersteller ausprobiert werden.

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise. Jeder Hund ist jedoch ein Individuum und hat spezielle Bedürfnisse. Im Zweifelsfall ist die Rücksprache mit einem erfahrenen Tierarzt unerlässlich.

Quellen und weiterführende Literatur

  • 1 C. Trappe, Inhaltsstoffe im Hundefutter aufgeschlüsselt, tiermedizinportal.de, August 2013 (Link)
  • 2 Farcas et al., Evaluation of fiber concentration in dry and canned commercial diets formulated for adult maintenance or all life stages of dogs by use of crude fiber and total dietary fiber methods, J Am Vet Med Assoc , April 2013 (Link)
  • 3, Zipfel et al., Nährwert-Kennzeichnungsverordnung (NKV), § 2 Nr. 1, Ergänzerungslieferung 2014 (Link)
  • 4 Jürgen Zentek, Ernährung des Hundes: Grundlagen - Fütterung - Diätetik, 8. aktualisierte Auflage 2016, Enke Verlag, Stuttgart (Link)
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